Saugrohr im Kacktank

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Wer hat in Deutschland den miesesten Job? Ich glaube, die Mobiltoiletten-Putzer. Weil ich neulich in einem Internet-Forum las, wie einer aus deren Reihen seinen Arbeitsplatz mit folgenden Worten umriss: „Ich gehe in diese heißen, oder saukalten, übel riechenden, versifften Mietklos mit Popeln an den Wänden, stecke ein Saugrohr in den Kacktank und warte, bis die Pumpe fertig ist mit Scheiße absaugen. Mit dem Geruch klarzukommen geht mit der Zeit, aber der Schweiß in den Augen, die zerbrochenen Klorollenhalter, das über den ganzen Boden verteilte Papier, die Kacke im Pissoir und die kaputten Klositze sind echt fies.“

Andere mögen das anders sehen. Andere murmeln vielleicht: „So fies auch wieder nicht.“ „Das kann ich auch“, wird vielleicht einer sagen. „Ich sitze in diesem heißen, oder saukalten, übel riechenden, versifften Büro mit Popeln an den Wänden, irgendwer zwischen H und N steckt den Kopf durch die Tür und wartet, bis ich fertig bin mit Stellen aus den Fingern saugen. Mit dem Geruch klarzukommen geht mit der Zeit, aber der Angstschweiß in all den Augen, die gebrochenen Seelen, die über den ganzen Boden verteilten Absagen, die Klagen vom Korridor und die kaputten Hosenschlitze sind echt fies“, umreißt ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur sein Aufgabenfeld.

„Und ich erst“, sagt eine Frau. „Ich liege in diesen heißen, oder saukalten, übel riechenden, versifften Mietzimmern mit Popeln an den Wänden, jemand steckt sein Rohr in meinen Kacktank und ich warte. Mit dem Geruch klarzukommen geht mit der Zeit, aber der Schweiß an den Lenden, die Typen im Greisenalter, die übers ganze Gesicht verteilte Gier, der Lärm vom Trottoir und die kaputte Poritze sind echt fies.“
„Das ist doch gar nichts“, hebt ein Herr im Anzug an. „Ich gehe durch diese sauweißen Gänge mit Polke an den Wänden, durch die ganze Kackbank, stecke die Nase in den Tresor und warte, bis die Zinsen fertig sind mit Kunden aussaugen. Mit den Kollegen klarzukommen geht mit der Zeit, aber der Fleiß in den Augen, die bizarren Gehälter, das über den ganzen Boden verteilte Wertpapier, die Kacke im Pissoir und die gestreiften Schlipse sind echt…“

„Peanuts! Ich sitze in diesem Mietshaus mit Opel vor der Tür, stecke meine Brust in das Mündchen und warte, bis das Kackblag fertig ist mit Milch einsaugen“, ruft eine junge Frau, aber wird unterbrochen, „aber das über die ganze Windel verteilte Geschmier“, versucht sie sich Gehör zu verschaffen, aber geht unter im allgemeinen Tumult, denn jetzt reden alle durcheinander. Satzfetzen, Schluchzer: „Und nie ein Dank, nicht der kleinste Kackdank“, ruft eine Altenpflegerin, „dieser Kacktalk, dieser ewige Kacktalk“, mault eine Moderatorin, „Mit dem Kieferbruch klarzukommen geht mit der Zeit“, hebt ein Boxer an, „mit dem Kunstanspruch klarzukommen geht mit der Zeit“, räsoniert eine Galeristin, „Mit dem Rechtsbruch klarzukommen geht mit der Zeit“, seufzt ein Sterbehelfer, „aber die Schmeißfliegen in den Augen! Aber die kaputten Zitzen!“, klagt ein Typ in Gummistiefeln.

„Und stecke meine Nase in fremden Angelegenheiten, und der Fotograf wartet, bis ich fertig bin mit Intimitäten aussaugen“, versucht es ein Boulevardjournalist, „und stecke den Lehrfilm in den Schlitz und warte, bis die Schüler fertig sind mit Wissen einsaugen“, schnauft ein Studienrat, aber wird übertönt: „Seht mich an! Ich gehe durch diese kalten, saualten Gänge mit Propaganda an den Wänden“, stöhnt ein Kardinal, „aber der Lobpreis in den Augen, aber die gesprochenen Psalter!“ Er sackt in sich zusammen. „Aber die bestochenen Bilanzbuchhalter“, grummelt ein Wirtschaftsprüfer, „aber die Handaufhalter“, flucht einer vom Hilfswerk, aber die kaputten Witze, die wechselnden Firmensitze, fehlenden Geistesblitze, dutzenden Slibowitze…  bei anderen ist auch nicht alles rosig.

Erschienen in der taz