Liebe Leser.

xingEndlich einmal eine gute Nachricht: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland strebt gegen Null. Zumindest auf XING, dem Online-Kontaktportal. Ganze 748 User von Hunderttausenden geben hier ihren beruflichen Status als „arbeitslos“ oder „arbeitssuchend“ an. Damit hat XING eine offizielle Arbeitslosenquote von unter 0,001 %. Niedriger als Norwegen!

Leider stimmt das nicht so ganz: „Wer arbeitslos ist, klickt auf XING trotzdem meist ‘Freiberufler’ an“, klärte mich alsbald eine Online-Expertin auf. Was zeigt: Arbeitslosigkeit gilt in Deutschland nicht gerade als salonfähig. Wer keinen Job hat, erzählt seinen Mitmenschen lieber irgendwas – dass er krumme Dinger dreht, Zigarren oder Schwarzweißfilme – alles, nur nicht Däumchen.

Andernorts ist das anders. In zahlreichen Gegenden dieser Welt gilt Arbeitslosigkeit nicht als Bein- oder Prestigebruch. Zum Beispiel nicht in Afghanistan. Oder in Albanien. Letzteres zeigt eine landestypische Redewendung. Sagt der arbeitslose Amerikaner gern, er sei „between jobs“, sagt der arbeitende Albaner, er sei „mes papunësi“, also „between unemployment“, und kann sein momentanes Glück selbst kaum fassen.

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Letzte Liebe-Leser-Worte:

(c) katutaide, http://www.flickr.com/photos/pomo/3063009103/

„Täma jo menee yli ymmärrksemme“, steht im finnisch-deutschen Wörterbuch von 1980.
Zu Deutsch: Wir stehen an der Grenze unseres Witzes. Das gefällt mir. Doch nicht alle Finnen scheinen sich an diese Maxime zu halten, manche schlagen scherzend über die Stränge. So findet sich in jenem Wörterbuch auch die „sutkausinto“, die Witzelsucht, die in Finnland, neben der Alkoholsucht, verbreitet ist.

Wörterbücher sind gemeinhin unterschätzt. Dabei kann man so vieles darin finden. Zum Beispiel fremdsprachige Wörter, die das Bezeichnete schöner ausdrücken als das jeweilige deutsche Wort. Vor allem das Niederländische hat Drive: „Hekeldichter“ klingt sinniger als Satiriker, „Moppentapper“ charmanter als Witzbold.

Auch die Kopfleisten sollte man in Wörterbüchern mitlesen, also die Zeilen ganz oben, in der das erste und das letzte Wort der Seite zwanglos nebeneinander stehen. Dort finden sich überraschende Wortkombinationen, die auch Lyriker inspirieren könnten. In finnisch-deutschen Wörterbuch steht da zum Beispiel: „Sehnsuchtsmensch – Seifenabfälle“, „Regen – Regierungsakt“ oder schlicht und ergreifend „Makler – Mammon“.