Text des Monats

Das hält die Liebe jung

Wie gern hätte ich eine Zweierbeziehung. So eine richtige Liebesbeziehung zu zweit. Man ist sich ähnlich, schaut in die dieselbe Richtung, hat dieselben Ansichten, und das ist gut. Oder man ist sich unähnlich, hat verschiedene Ansichten, und das ist vielleicht noch besser. Einer guckt fern und der andere kocht. Einer schläft und der andere wacht. Eine Seele in zwei Körpern.

Eine Dreierbeziehung würde mir allerdings auch gut gefallen.Einer schaut fern, der andere kocht und der dritte bringt schon mal den Müll raus. Alles geht viel schneller, außer die Gute-Nacht-Küsse und die Steuererklärung.

Zwei schauen in dieselbe Richtung und der dritte in eine andere, das hält die Liebe jung. Wenn zwei sich streiten, macht der dritte schon mal das Abendbrot. Wenn einer den anderen vermöbelt, kann der dritte die Häusliche Nothilfe rufen. Und bei den Schwiegereltern sitzt man nie als Zaungast allein.

Eine Viererbeziehung hat aber auch was. Einer schaut fern, der zweite kocht, der dritte bringt den Müll raus und der vierte tut schon mal eine neue Tüte in den Mülleimer. Wenn zwei Sex wollen und zwei nicht, können die solange das Klo schrubben, das hält die Liebe jung. Zu viert kann man die herrlichsten Beziehungs-Soziogramme aufmalen. Zu viert kriegt man ein Großraumtaxi. Zu viert kann man immer Doppelkopf spielen. Zu viert ist jeder Abend ein geselliges Beisammensein.

Zu viert kann man zu Fasching als die Terrorbande des NSU gehen, Arm in Arm: Beate, Uwe, Uwe und der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Wenn einer stirbt, bleibt niemand allein. Wenn noch einer stirbt, bleibt immer noch niemand allein. Wenn noch einer stirbt, dann schon. Aber dann hat der letzte vielleicht schon einen schönen Batzen geerbt und das ist doch auch mal was.